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Stefan Guzy und Björn Wiede alias „Zwölf“ entwerfen seit 2000 vorrangig Plakate, Verpackungen, Bücher und Ausstellungen und arbeiten szenografisch für Film und Fernsehen. In der eigenen Siebdruckwerkstatt widmen sie sich in ihrer freien künstlerischen Arbeit vor allem sogenannten Materialstudien. Die Zielsetzung dabei ist die Möglichkeiten des Siebdrucks auszureizen und unterschiedlichste Substanzen auf Papier zu bannen. Die Siebdrucke zeigen die Reaktion zweier Materialien wie z.B. Lippenstift mit Nagellack und Honig mit Öl. In einem Gespräch haben Guzy und Wiede uns mehr darüber erzählt:

Was motiviert Euch zu der Analyse verschiedenster Materialien auf ihre Druckbarkeit?

Seit etwa fünf Jahren beschäftigt uns die Fragestellung, welche Möglichkeiten die Siebdrucktechnik in Hinblick auf die verwendete Druckfarbe gibt. Initiiert durch die Entwicklung einer selbstrostenden Farbe (Björn Wiede Diplom) haben wir kontinuierlich verschiedene Materialien auf ihre Eignung getestet. Wir sehen das Experiment als Grundlage des gestalterischen Entwurfs. Wenn möglich, wählen wir dafür nicht-digitale Werkzeuge.

Wie ist der Ablauf einer Materialstudie, von Analyse über Druckprozess bis hin zum Ergebnis?

Viele der Dinge, die ein interessantes Druckergebnis versprechen, zeigen in den ersten Testdrucken keine Eignung. Diejenigen Materialien, bei denen sich eine perspektivische Eignung abzeichnet, werden von uns in verschiedenen Mischungsverhältnissen mit Bindemitteln und Zusatzstoffen – oder auch pur – systematisch getestet. Auch der Karton, auf dem gedruckt wird, verändert zum Teil erheblich das Verhalten der aufgedruckten Substanz. Als Ergebnis entsteht mit einer Auflage von 12 Exemplaren ein 70x100-Karton, der als großes „Musterblatt“ dient.

Was interessiert Euch an den Materialstudien am meisten?

Eine bisher nicht „gedruckte“ Flüssigkeit/Substanz oder einen Werkstoff flach und gleichmäßig auf einen großen Bogen Karton aufgebracht zu sehen ist letztendlich das für uns unbekannte und daher spannende Seherlebnis. Das gedruckte Material spielt häufig sehr stark mit Umgebungslicht – viel kräftiger als im Falle normaler Druckfarbe – und übt durch die meist nicht erkennbare Zusammensetzung eine gewisse Anziehung aus.

Geht es Euch darum bestimmte Eigenschaften des genutzten Materials sichtbar zu machen oder liegt Euer Fokus vielmehr auf den optischen Effekten, die durch eine bestimmte Druckart entstehen können?

Der Effekt ist nicht das Ziel. Motivation ist die grundsätzliche Erweiterung der möglichen Druckfarben im Siebdruckverfahren. Wir sehen daher die grafischen Blätter als Mustertafeln zum Anschauen, Anfassen oder Riechen.

In wieweit interessiert es Euch ein bestimmtes Material wie z.B. Lippenstift oder Zahnpasta durch den Druckprozess von seiner eigentlichen Verwendung zu lösen um eventuell neue Assoziationen zu schaffen?

Da alle diese Materialien in keinster Weise für jeglichen Druck hergestellt wurden, lösen wir sie allein durch unseren Umgang stets aus ihrem Kontext. Die Assoziationen eines gedruckten Materials sind daher immer anders und vielschichtiger; ganz besonders, wenn man sich die Fläche eines knappen Quadratmeters Lippenstift oder Zahnpasta vor Augen hält.

Welche Rolle spielt die Einwirkung von Umwelteinflüssen sowie die Veränderung der Werke mit der Zeit?

Da wir nicht wissen, wie sich die Substanzen mit der Zeit verhalten, sind wir selbst neugierig und beobachten die Veränderung auf der Fläche. Die Zeit spielt in diesem Prozess also eine nicht unwesentliche Rolle: Honig etwa fließt durch das enthaltene Wasser sehr langsam nach unten; Lippenstift bildet mit der Zeit einen gleichmäßigen Fettsaum. Es geht also auch nach dem Druck weiterhin um den Prozess/die Weiterentwicklung und weniger um das bestmögliche Konservieren der Serigrafien.

Wie nutzt ihr die Reaktion zweier verschiedener Materialien für Eure Zwecke?

Der Einsatz von zwei Materialien auf einem Blatt, die miteinander um Aufmerksamkeit ringen, bzw. miteinander reagieren, ist die vorrangige visuelle Spielfläche, die wir uns auf dem Musterbogen erlauben. Die Reaktionen werden durch einfache (mittels manueller Schablonen erstellt) grafische Formen ergänzt.

 

geboren 1980 und 1981 leben in Berlin und betreiben zusammen mit Marcus Lisse das Designbüro „Zwölf“.

Ausbildung Stefan Guzy

2001-2007 Universität der Künste Berlin (Prof. Holger Matthies, Prof. Daniela Haufe/Prof. Detlef Fiedler, GProf. Stefan Sagmeister und GProf. Melk Imboden)

Ausbildung Björn Wiede

2002-2007 Universität der Künste Berlin (Prof. Joachim Sauter, GProf. Melk Imboden, Prof. Fons Hickmann)  
2005 Universität für angewandte Kunst Wien (Prof. Fons Hickmann)

Einzelausstellungen

20011 „Analytische Serigrafien“, Galerie Reign of Art, Berlin

Gruppenausstellungen

2005 „herzberührtdesign“, Zumtobel Staff Lounge, Berlin
  Blacklightgallery, „U3“ Potsdamer Platz, Berlin
2006 Lead-Awards-Ausstellung, Deichtorhallen, Hamburg
2007 Type Directors Club New York (Wanderausstellung)
  Lead-Awards-Ausstellung, Deichtorhallen, Hamburg
2008 87th Art Directors Club Award New York (Wanderausstellung)
  Type Directors Club New York (Wanderausstellung)
  100 Beste Plakate Deutschland/Österreich/Schweiz (Wanderausstellung)
  Art Design Institute of China, China Academy of Art Hangzhou
  5th Ningbo International Poster Biennial (China)
2009 Type Directors Club New York (Wanderausstellung)
  European Design Awards Zürich (Schweiz)
  10th Tehran International Poster Biennial 2009 (Iran)
  American Institute of Graphic Arts New York
  17th Lahti Poster Biennial 2009 (Finnland)
  Art Design Institute of China, China Academy of Art Hangzhou
  Taiwan International Poster Design Exhibition
  7th Trnava Poster Triennial 2009 (Slowakei)
  3rd International Biennial of Poster Bolivia 2009
  9th International Poster Triennial Toyama 2009 (Japan)
  4th China International Poster Biennial 2009
2010 89th Art Directors Club Award New York (Wanderausstellung)
  Art Directors Club Deutschland Frankfurt/Main (Wanderausstellung)
  European Design Award Rotterdam (Niederlande)
  24th International Biennial of Graphic Design Brno 2010 (Tschechische Republik)
  6th International Triennial of Stage Posters Sofia (Bulgarien)
  100 Beste Plakate 2009 Deutschland/Österreich/Schweiz (Wanderausstellung)
  1. Grafikdesign Biennale Deutschland China 2010, Offenbach/Main
  Golden Bee 9, Moscow International Biennale of Graphic Design (Russland)
2011 100 Beste Plakate 2009 Deutschland/Österreich/Schweiz (Wanderausstellung)
  Tokyo Type Directors Club, Ginza Graphic Gallery Tokio (Japan)
  Schrift und Typografie in der zeitgenössischen Kunst, Museum für Druckkunst Leipzig
  „REIGN OF ART FRANKFURT“, Frankfurt am Main

Auszeichnungen

2006 „Lead Award“ Bronze (Kategorie „Editorial: Bestes Newcomermagazin“), Lead Academy Hamburg
2007 „Certificate of Typographic Excellence“, Type Directors Club New York
  „Lead Award“ Silber (Kategorie „Editorial: Bester Illustrationsbeitrag“), Lead Academy Hamburg
  „Lead Award“ Bronze (Kategorie „Editorial: Beste Fotostrecke“), Lead Academy Hamburg
  „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ [Nominierung]
2008 „Gold Cube Winner“ (Kategorie „Poster“), Art Directors Club Award New York
  „Certificate of Typographic Excellence“, Type Directors Club New York
  „ADI Excellent Work“, Hanghzou (China), Art Design Institute of China
  „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ [Nominierung]
  „Designpreis des Landes Brandenburg“ [Nominierung]
2009 „Certificate of Typographic Excellence“, Type Directors Club New York
  „European Design Award“ Silber (Kategorie „Single Poster“), ED-Awards Griechenland
  „AIGA Annual Design Award“, American Institute of Graphic Arts New York
  „ADI Design Award 2008“, Hanghzou (China), Art Design Institute of China
  Taiwan International Poster Design Award 2009
  „Echo“ (Kategorie „Bestes Musikvideo“) [Nominierung], Bundesverband Musikindustrie
  „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ [Nominierung]
2010 „Silver Cube Winner“ (Kategorie „Package Design“), Art Directors Club Award New York
  „Silbener Nagel“ (Kategorie „Typografie“), Art Directors Club Deutschland
  „European Design Award“ Gold (Kategorie „CD-Cover“), ED-Awards Griechenland
  „Golden Bee Award“, Golden Bee 9, Moscow International Biennale of Graphic Design
  „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ [Nominierung]
2011 „Prize Nominee Work“, Tokyo Type Directors Club (Japan)

Editionen

2008 Plakatedition „José González“ beim Verlag Hermann Schmidt Mainz, 100 nummerierte A0-Exemplare

Jurys

2011 Jury 90th Art Directors Club New York

Presse (Auswahl)

2003 Brain Damage #9 (Polen)
2004 Jianping He (Hg.): Holger Matthies and Students, China Youth Press (China)
2005 PAGE #9/2005
2008 Typography #28, New York: Collins Design 2008
  Druck&Medien 05/2008
2009 Departure Look/Book 2009, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst 2009
  Blank November/Dezember 2009
  Typography #29, New York: Collins Design 2009
  Deutscher Drucker #19/2008
  Intro #12/2009
  Palette (Igepa-Magazin)
2010 fluter #37
  Conny Becker, Christina Landbrecht, Friederike Schäfer (Hg.): Metropolian Views. Berlin, Berlin.
  Kunstszenen 1989–2009, Berlin: Deutscher Kunstverlag 2010
  PAGE #1/2010
  Juli Gudehus: Das Lesikon der visuellen Kommunikation, Mainz: Hermann Schmidt 2010
  International Design Yearbook 2010, Gzangzhou: Madison 2010
  John Foster (Hg.): 1000 Indie Posters, Gloucester, Mass.: Rockport Publishers 2010
  Tim Chuang (Hg.): Gallery. The world‘s best graphics vol. 5, Fremont: Choi‘s Gallery 2010
  Mix Magazine #2/2010 (UK)
  International Visual Communication Design, Shenyang: LST Publishing House 2010
  Gallery Magazine (UK)
  PAGE #10/2010
  Visions #1/2010
  Typography #30, New York: Collins Design 2010
2011 PAGE #2/2011
  Monopol #6/2011
  Type Player 2, Beijing/Guangzhou/Hong Kong: Sandu Cultural Media 2011
  Kolja Reichert: Altöl ist cooler als Erde. In: Tagesspiegel vom 29. Mai 2011